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Dieselskandal: Auch die von VW aus der Zahlung des Kaufpreises gezogenen Nutzungen sind zu ersetzen

Das Landgericht Saarbrücken hat mit Urteil vom 14.06.2017, Az. 12 O 104/16, grundsätzlich entschieden, dass ein vom Dieselskandal betroffener Käufer Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises hat unter Abzug der von ihm gezogenen Nutzungen für die gefahrenen Kilometer.

Das Landgericht Saarbrücken geht jetzt unserem Vortrag nach, inwieweit auch die von VW aus der Kaufpreiszahlung gezogenen Nutzungen dem Käufer zu erstatten sind. Zu den gezogenen Nutzungen können u.a. ersparte Darlehenszinsen, Kapitalanlagezinsen oder sonstige Kapitalnutzungen gehören.

Das Landgericht hat die mündliche Verhandlung wiedereröffnet und VW zur Stellungnahme aufgefordert, welche konkreten Nutzungen VW aus dem gezahlten Kaufpreis gezogen hat. Eine aktuelle Studie des Automobilexperten Ferdinand Dudenhöfer vom CAR Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen hat u.a. ermittelt, dass VW mit jedem verkauften Auto 5 % Gewinn und bei den Tochtergesellschaften Audi, Skoda und Seat einen Gewinn von 8,2 % des Kaufpreises erwirtschaftet.

Diese Argumentation kann dazu führen, dass Käufern deutlich höhere Beträge zugesprochen werden, als bisher.

Ebenso können Käufern deutlich höhere Beträge zugesprochen werden, wenn sich die Sicht des Oberlandesgericht Köln, Urteil vom 27.03.2018, Az. 18 U 134/17 durchsetzt. Das OLG Köln geht in dem genannten Urteil von einer Gesamtlaufleistung der vom Dieselskandal betroffenen Fahrzeuge von 500.000 km aus, statt der vom LG Saarbrücken angenommenen 250.000 km. Je höher die Gesamtlaufleistung, desto niedriger sind die von Ihnen gefahrenen

Kilometer anzusetzen.

Ein Beispiel: Kaufpreis 20.000 €, gefahrene km 50.000

OLG Köln: Abzugsbetrag für gefahrene Kilometer 2.000,00 €

Abzugsbetrag = 20.000 € / 500.000 km x 50.000 km = 2.000,00 €

LG Saarbrücken: Abzugsbetrag für gefahrene Kilometer 4.000,00 €

Abzugsbetrag = 20.000 € / 250.000 km x 50.000 km = 4.000,00 €

Die vom Landgericht Saarbrücken angenommen Gesamtlaufleistung von 250.000 km ist für den Käufer deutlich ungünstiger, wie die vom OLG Köln angenommene Gesamtlaufleistung von 500.000,00 €.

VW hat die in unserer Argumentation liegenden erheblichen Gefahren für sich erkannt und sofort den Abschluss eines Vergleichs angeregt. Dieser wurde von unserer Mandantin jedoch abgelehnt.